Garmigramm #4: Die GARMIN fēnix™ im Temperaturcheck

Während Ich das hier schreibe, geht die fēnix™ in diesem Moment sprichwörtlich durch die Eishölle auf Erden.
Ich habe Sie nicht mehr am Handgelenk, und trotzdem leidet Sie – eventuell. Achwas: wenn Die GPS reden könnt, würde Sie mich warscheinlich  sogar lauthals auslachen und aus dem Gefrierfach so nette Sachen rufen wie “Hahaha, lass mich ruhig hier drin, ich werd’s Dir schon zeigen !!” oder “Lächerlich, hat Dein Eisfach nicht mehr zu bieten ?!”. Ohne Handschuhe. Ohne Schal. Splitternackt hängt Sie gerade buchstäblich ab.

Doch der Reihe nach.
Bloss alles der Reihe nach….

Als ich mir gestern Abend die Spezifikationen der Uhr im Handbuch nochmals anschaute und ich was von Betriebstemperatur las, keimte da so ein gewisser Gedanke. Ich mußte wieder an meinen Ultramarathonlauf von vor 9 Monaten denken. Auf dem Weg von Göttingen bis in den Oberharz, 80 km, 2000 Höhenmeter, arktische Temperaturen bei Minus 20 bis 30 Grad, das Ganze über 11 quälende Stunden lang.  Als Ich also an die Temperaturverhältnisse dachte, begannen sich meine Mundfalten ganz langsam nach oben hin zu ziehen – mein fieses Grinsen wollte gar nicht mehr aufhören.
Zunächst wollte ich wissen, was mir hinsichtl. meiner baldigen Challenge die Brockenwetter-Prognose derzeit bescherte, also warf ich einen Blick auf das Vorhersagediagramm:

Die Windgeschwindigkeiten nehmen in den kommenden Tagen merklich ab, gleichzeitig wird es unwesentlich wärmer: 4 bis 5 Grad – na dann!

 

 

Heute beispielsweise wieder ein Traumwetter auf dem Gipfel: Höchstwerte liegen bei 4 Grad, gefühlte sind das dann jedoch -3 Grad. Die Luftfeuchtigkeit liegt bei nahezu 100%.

Dann denk Ich mir so: “Liebe fēnix™, was hast DU eigentlich wirklich auf dem Kasten, wenn’s drauf ankommt ?” Stumm blickt mir das Display entgegen.
Den gedanklichen Monolog – einzig und allein zwischen mir und dem Prachtstück – spinne Ich aber weiter: “Wollen wir doch mal warm anfangen…”.
Ein kurzer Blick zum Schrank, und ganz oben fand Ich auch schon, wonach ich suchte: Die satellitengestützte Funk-Wetterstation mit Funkaußenfühler.

Den Außensender verfrachtete Ich zusammen mit der Wetterstation ins Wohnzimmer. Nach knapp 15 Minuten pendelten sich die Temperaturen beider Geräte ein: 22 Grad ![Erste Bild zur Veranschaulichung beschriftet].

Dann ging es mit beiden Geräten inkl. Außenfühler erstmals nach draußen. Es dauerte gut 19 Minuten, bis beide Werte die zu diesem Zeitpunkt identische, aktuelle Außentemperatur anzeigten. Kein Witz: Die Beobachtung zeigte, das der Außensensor wesentlich langsamer reagierte wie der integrierte Sensor der fēnix™. Okay – hätte ich persönlich nicht gedacht. Aber gut, kann auch daran liegen, das der Sensor meiner Station seit über 1 Jahr ausnahmslos im Außeneinsatz ist und bereits sämtliche, saisonale Witterungsverhältnisse durchlebt hatte. Mir war es hierbei weniger wichtig zu wissen, wie reaktionsschnell die Geräte reagieren, sondern vielmehr, wie exakt die fēnix™ gegenüber einer Wetterstation  die Temperatur mißt. Im folgenden, ersten Bild das Ergebnis nach knapp 19 Minuten: 15 Grad. Danach hatte  Ich  zwischen 19:31h und 0:17h immer wieder sporadisch Fotos aufgenommen (von links nach rechts, einfach einzeln anklicken):

     

     

  

Die Station zeigt sich präziser im Nachkommastellenbereich, soso. Ein Licht aufgehen sollte mir jedoch erst am frühen Morgen. Gegen halb 1 bin ich jedenfalls erstmal ins Bett.
Da Ich kein Langschläfer bin, klingelte der Wecker der fēnix™ bereits um 06:00h. Das war wie eine stumme Aufforderung, nach dem Motto. “Zackzack, Mario, hoffentlich bist Du nicht so Müde wie gestern, sonst wäre Dir an mir schon was entscheidenes aufgefallen!”.
Ich nahm die Uhr also vom Nachttisch, stellte Sie im Wohnzimmer wieder neben der Station : Während es draußen 7.4° Celsius waren, zeigten sich die Innentemperatur-Werte beider Geräte fast identisch. Das ist aber hier an sich subjektiv, denn in den einzelnen Wohnräumen herrscht eben nicht dieselbe Temperatur ! Also wieder ab nach draußen mit den Beiden, zwischen 06:28h und 09:14h dann folgende Werte:

     

     

Erneut zeigt sich, das die Wetterstation präzisere Temperaturwerte im Nachkommastellenbereich angibt, der Temperatursensor der fēnix™ jedoch anstandslos mithalten kann, denn nun fiel auch endlich der Groschen bei mir: Die fēnix™ gibt sich nicht mit Nachkommastellen ab, pff, wozu auch.
Viel besser: Sie rundet die Werte dafür mathematisch korrekt jeweils auf oder ab (Beispiel: Station zeigt 7.6°C, die fēnix™ rundet auf 8°C, oder: die Station zeigt 7.4°C, die fēnix™ rundet mit 7°C ab)  ! Ich schaue zufrieden auf’s Display, und irgendwie war mir für einen Moment, als würde mich jemand auslachen und die virtuelle Zunge ausstrecken.
“Oha, Mario Mario, eine Woche fēnix™, und Du bist schon wie besessen von diesem Wunderwerk der Technik!”

Fazit bis hierhin: Es gab Nix zu meckern! Aber ich war nicht zufrieden. Besagter Brocken kam mir da wieder ins Gedächtnis, das Vorhersagediagramm, die Wetterbedingungen dort oben in 1141m Höhe.

Du mußt die GPS so richtig rannehmen, nen knallharter Extremtest! Kurz fühlte ich mich dann ob des Gedankens schuldig, aber die Entscheidung war schnell getroffen. Läppische Temperaturtests mit einer OUTDOOR-Uhr, mitnichten – nun war’s Zeit für den ersten, ernsthafteren Test. Um 09:32h sollte sich alles ändern.

Und in diesem Moment sind wir wieder bei der Einleitung dieses Garmigramm’s angelangt. Ich erinnere mich, wie ich um 09:32h Garmin’s Vertrauen mißbrauchte, mit einem fast wahnsinnigen Jack-Nicholson-a.k.a.-TheShining-Gedächtnisblick:

Ab mit Ihr ins Gefrierfach des ewigen Schweigens!
Würde sich diese Aktion jetzt Rächen ? Würde C.P. mir eine neue Testuhr zusenden, wenn’s schief ging ? Würde Ich dann zur Strafe all die Pizza auffressen, die Ich vorher rausgekramt hatte, damit niemand sieht, wie ungesund Ich mich ernähre ?! Omg, Blick zur Uhr, Blick ins leere Fach, zur Uhr, Fach, Uhr…ach, was soll der Geiz: “ab ins Fach mit Dir!”

 Jaja, und wie in der Einleitung schon erwähnt, höre Ich seither Stimmen im Kopf. Mal höhnisches Lachen, mal summt diese Stimme…seit halb 10 Uhr morgens geht mir beispielsweise eine bestimmte Melodie nicht mehr aus dem Kopf -  irgendwas von Vanilla’s “Ice Ice Baby..” ! Dann halt Ich’s nicht mehr aus, werfe um 09:42h nur einen kurzen Blick mal ins Gefrierfach:


Soso, in 10 Minuten um nur 6°C gesunken…das ja mal interessant. Gut Gut, komm Ich nach weiteren 10 Minuten mal rum, und siehe da, die Werte rutschen in den Eiskeller, diesmal waren’s gar satte 9°C Differenz zum vorherigen Wert:


In 20 Minuten war der Wert von 17°C auf 2°C gerutscht. Okay, einmal geht noch, dachte Ich, innerlich händereibend. Garmin war fast vergessen, jetzt zählten nur noch die eiskalten Triebe! Ich summte leise Ice Ice Baby, während mein kleines Töchterchen bereits nichtsahnend Ihr Nutella-Brötchen aß. “Papi, was summst denn so ein lustiges Lied?”, meinte Sie bloß, als Ich mir mein Brötchen genüßlich Richtung Kauleiste schob. Als wir fertig mit Frühstücken waren, fiel mir ein, das ich was am Handgelenk vermisste, und die Farbe verlor ich schnell im Gesicht. Laut Uhranzeige am TV-Receiver war’s bereits 10:11h. “Äh, Ups….”, dacht ich kurz und rannte in die Küche.

Doch es war zu spät! Garmin, es tut mir echt leid an dieser Stelle !
Doch schaut selbst:


Gut in Szene gesetzt haben die Designer der fēnix™ das Minuszeichen, denn es stach regelrecht in mein entsetztes Gesicht. Schnell holte Ich Sie raus, leicht festgefroren auf dem Ablagegitter. Dann erstmal auf dem Tisch gelegt…und Ich staunte nicht schlecht: Innerhalb von nur Minuten kletterten die Werte in die Höhe! Sie hatte es wirklich eilig, wieder aufzutauen:

     

Natürlich ist das Cool, will sagen, Klasse, aber mir ging es einfach nicht schnell genug. Sorgenvoll nahm Ich Sie vom Tisch und legte Sie ums Handgelenk, damit die fēnix™ mithilfe der Körpertemperatur schneller auftaute. Ich scrollte derweil durch’s Menü der Uhr, wie vermutet reagierte die Steuerung träge. Dasselbe Phänomen hatte Ich mit meiner FR610 festgestellt, als diese während meines Ultras bei KM 52 und -20°C nicht mehr wollte – verständlich !

Nun gut, so schnell wird die fēnix™ nicht aufgeben, wenn diese arktischem Klima ausgesetzt würde – sofern Sie am Handgelenk getragen wird. Wäre jedenfalls mein subjektives Fazit dieses Extremtests! Aber hey, wozu gibt es das tolle Zubehör, den tempe™ ! Jedenfalls warte Ich immer noch gespannt, wann dieser externe, kleine Sensor zugesandt wird (Bitte Garmin, beeilt Euch, ich hab noch ne Mikrowelle und nen Backofen ! Scherz…)

Na, spätestens nach diesem Extrem-Test sind die fēnix™ und Ich die allerbesten Freunde! Und in einer Woche werde ich auf die Uhr blicken, und dann die tolle Aussicht auf dem höchsten Gipfel Norddeutschlands genießen – je kälter, desto besser!

   

12 Kommentare zu Garmigramm #4: Die GARMIN fēnix™ im Temperaturcheck

  1. Sehr geiler Bericht, super habe viel Spaß beim Lesen gehabt! Aber du hast mir wieder ein Testszenario geklaut, ich muss schneller werden ;-)

  2. Cooler Bericht und Super Idee :-)

  3. @ Markus: Danke Dir ;)
    @Dietmar: Sorry :-( Aber sobald der externe Temperatursensor geliefert wird, lass den gemeinsam testen:
    Du wirfst Ihn in die Mikrowelle, Ich meinen in Backofen – DEAL ??

  4. Haha, absolut geiler Bericht. :-) Wollte zwar schon längst ins Bett, aber so was kann man sich ja nicht entgehen lassen, denn wer weiß was morgen kommt.
    Ich kenn dich zwar nicht persönlich, finde dich aber trotzdem “COOL”

  5. Du bist echt krass. ;-)
    Und ich mache mir Gedanken ob ich die Uhr zum Schwimmen anziehe. :-( (

  6. … hab mich krumm gelacht …
    aber mal eine kleine frage, denn das layout meiner bericht ist echt langweilig: text, bild, text … wie machst du das, dass du die bilder in den text passend integrierst? (tja, frauen und technik …) lg

    • Hi Gabi, erstmal vielen Dank ! Du kannst ja Textumlauf bei Bildern wählen, indem Du entscheidest, ob das Bild zentriert, links – oder rechtsbündig platziert werden soll. Probiers mal aus: Wähle nen Bild, wähle als Ausrichtung des Bildes “rechts” oder “links”,abschließend kannst du neben dem Bild den text schreiben. LG

  7. Hallo, eignet sich die Uhr auch für Läufer? Gibt es Angaben wie Rundenzeiten, Pace/Km usw.?
    Auf eine Antwort würde ich mich sehr freuen. LG

    • Hallo Marco,
      da ich selber aktiver Läufer (HM,M, UM) bin, empfehle Ich Dir einmal folgenden Artikel Garmigramm #3: Sei ‘profilaktisch’ mit der GARMIN fēnix™ ! von mir anzusehen.

      Ich werde in den kommenden Tagen speziell für Läufer unter uns einen umfassenden Bericht schreiben, welcher sich mit der Profilerstellung und den einzelnen Messwerten für Läufer aller Disziplinen auseinandersetzen wird. Vorab sei gesagt: Für Läufer empfiehlt sich (aus persönl. Erfahrung) die Garmin FR610. Im Menü der FR610 hat man 9 Messwerte in Kategorien gruppiert: Stoppuhr, Pace/Geschw., Distanz, herzfrequenz, Kalorien, Trittfrequenz, Virtual Racer, Trainings, sonstiges.Diese Kategorien wurden in (auf der FR610 insg. verfügbare) 51 Messwerte untergliedert.
      Allein die kategorie “Pace/Geschw.” besteht aus 12 Messwerten, z.B. Pace, Durchschn.Pace, pace Runde, aber auch so Sachen wie Pacebereich Runde oder Durchschn. Geschwindigkeit der letzten vollständigen Runde. Ich empfehle da mal einen Blick in das Handbuch der FR610, dort sind die Messwerte aufgeführt. Das kann man derzeit leider (noch!) nicht vom Handbuch der fenix behaupten. Da habe Ich jedoch schon bei Garmin’s PM nachgesteuert. Um zur fenix zurück zu kommen: Diese Uhr bietet unglaubliche 93 Messwerte, jedoch müssen einerseits ein paar Abstriche bei manchen zusätzlichen Funktionen (kein “Virtueller Racer” oder “Trainingseffect”) oder Messwerten gemacht werden, aber dafür bekommst Du von der fenix wiederrum die meiner meinung nach ebenfalls sehr interessanten Messwerte wie Anstieg, Abstieg, Höhenmeter der gelaufenen Strecke und umfangreiche Kompassfunktionen geliefert. gerade für Ultramarathonläufer verdammt interessant. Und solltest Du tatsächlich ein Ultraläufer sein, wirst Du von der Akkulaufzeit begeistert sein: 16 bis 50 Stunden laufzeit – fett.
      Gerne werde Ich in den kommenden Tagen mal einen Vergleich zwischen der FR610 und der fenix inkl. einer Exceltabelle mit einer Messwertübersicht beider Uhren erzeugen.
      Jemand, den Ich kenne, würde jetzt “Na, wie klingt das?” schreiben :D

      Ich merke schon, es macht sinn, die Laufspezifischen Aspekte der Uhr wirklich mal genauer unter die Lup ezu nehmen. Wir haben im Testteam ja aus untersch. bereichen tester, ich werde also aus Läufersicht mal das schöne Stück testen. Und dann kommt ja noch meine Ultramarathon-Challenge am kommenden Wochenende.

  8. Wobei der Tempe Sensor ja auch nur bis -20°C bei den Specs zeigt.

    Klasse Bericht übrigens. Meine fenix brauchte im Eisfach von 20°C auf – 6°C 21 Minuten ;) – vielleicht wurde ja inzwischen auch was in der FW geändert (bei mir ist die 3.00 drauf)

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>